"Für die Demokratie ist es fatal, wenn nur noch diejenigen Journalist:innen werden, die es sich leisten können"
Für Steve Przybilla gibt es keinen besseren Job: Als freier Journalist recherchiert er in Deutschland und im Ausland. Doch die Arbeit hat auch Schattenseiten. Die Bezahlung sei eine Herausforderung, sagt Przybilla. Journalismus sei ein wundervoller Beruf, doch das helfe wenig, wenn man davon nicht leben könne.
Werksgelände: Was macht man eigentlich als freier Journalist bei RiffReporter?
Steve Przybilla: Spannende Geschichten recherchieren. Tief in Themen eintauchen. Mit tollen, engagierten Kolleg:innen zusammenarbeiten, damit die eigenen Texte noch besser werden – bei RiffReporter gilt das Vier-Augen-Prinzip, das heißt, jemand aus dem Team redigiert vor Veröffentlichung. Wir haben alle unsere jeweiligen Schwerpunkte und arbeiten von Deutschland, aber auch von anderen Ländern aus, an unseren Geschichen.
Welche Erfahrungen oder Talente sollte man für den Job mitbringen?
Ein gewisses Schreibtalent sollte natürlich schon vorhanden sein, ansonsten kann man das Handwerk – also Recherche, Rechtliches, Interviewmethoden – aber auch bei Praktika, im Rahmen eines Volontariats oder auf einer Journalistenschule lernen. Wer freiberuflich arbeiten will, sollte den Faktor Selbstorganisation auf keinen Fall unterschätzen. Den Tag auf dem Balkon oder vorm Fernseher vertrödeln? Als Freiberufler durchaus möglich, aber dann bleibt das Konto am Ende des Monats eben leer.
Es gibt viele Möglichkeiten, auch aufwändige Recherchen umzusetzen. Traut euch und nutzt sie!
- Steve Przybilla
Was reizt Dich an Deinem Beruf?
Die Freiheit, an den Themen und Geschichten arbeiten zu können, die mich wirklich interessieren. Die Möglichkeit, meine Termine und Arbeitszeiten so zu planen, dass sie in mein Leben passen. Und überhaupt der Job an sich: Immer wieder spannende Menschen treffen, immer wieder in Lebensbereiche hineinschauen, die einem sonst verborgen bleiben.
Was sind die größten Herausforderungen in Deinem Job?
Eindeutig die Bezahlung. Das fängt schon in der Ausbildung an, wenn einem immer erzählt wird, man müsse auch mal umsonst oder für einen Hungerlohn arbeiten, weil sich das ja später rentiere. Nur später ist es nicht anders. Die meisten Verlagshäuser entziehen sich dem Tariflohn, und bei freien Journalist:innen wird sowieso gespart. „Dafür machst du einen Job, der dir Spaß macht“, sagte mir mal eine Redakteurin, als sie für eine Auslandsreportage (!) 300 Euro bezahlen wollte. Ich habe ihr dann geantwortet, dass ich das beim Bäcker demnächst auch sage.
Was war Dein bisher größter Flop im Job, und was hast Du daraus gelernt?
Grottenschlechte Bezahlungen einfach hinzunehmen. Wir haben einen wundervollen Beruf, aber es nützt nichts, wenn wir davon nicht leben können. Auch für die Demokratie ist es fatal, wenn nur noch diejenigen Journalist:innen werden, die es sich leisten können. Da wir auf den Markt aber nur bedingt Einfluss haben, versuche ich meine Texte immer mehrfach an verschiedene Medien zu verkaufen. So können sich bei Auslandsrecherchen mehrere Redaktionen die Reisekosten teilen. Stipendien helfen ebenfalls. Es gibt viele Möglichkeiten, auch aufwändige Recherchen umzusetzen. Traut euch und nutzt sie!
Steves Tipps für den Nachwuchs
Vernetzt euch! Sprecht offen über Geld! Nur so können wir verhinden, dass wir uns am Honorar-Dumping beteiligen. Bei Freischreiber, dem Berufsverband der freien Journalistinnen und Journalisten, tauschen wir uns daher schon lange ganz offen darüber aus. Und natürlich auch zu allen anderen Themen. So fühlt man sich auch als Freier nicht so alleine. Denn ein Schwätzchen auf dem Flur oder in der Kantine gibt es bei uns schließlich nicht.

Steve Przybilla
… arbeitet seit 2012 als freier Journalist mit den Schwerpunkten Mobilität und Datenschutz. Darüber hinaus berichtet er regelmäßig aus dem Ausland, insbesondere aus den USA. Seine Artikel erschienen bereits in der Süddeutschen Zeitung, der Neuen Zürcher Zeitung, im Focus, in der taz, der ZEIT sowie bei Spiegel Online. Zudem ist er Mitglied der RiffReporter, einer Genossenschaft freiberuflicher Journalist:innen.
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