14. November 2025
KI-Expertin Luisa Voigt

KI-Strategien für den WDR: zwischen Innovation und Verantwortung

Im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) gibt es ständig neue Entwicklungen. Luisa Voigt setzt sich als KI-Expertin beim WDR mit neuen Technologien und Tools ebenso auseinander wie mit ethischen Fragestellungen. Wie können Innovation und Verantwortung balanciert werden? Dabei steht im Mittelpunkt, mit welchen Strategien der öffentlich-rechtliche Rundfunk KI gewinnbringend einsetzen und seinen Auftrag weiterhin erfüllen kann.

Werksgelände: Was macht man eigentlich als KI-Expertin beim WDR?

Luisa Voigt: Der Begriff KI-Expertin ist tatsächlich sehr breit gefasst – das kann von KI-Softwareentwicklung über den Einsatz spezialisierter KI-Tools bis hin zur Arbeit an ethischen Fragen reichen. Mein Schwerpunkt liegt seit Anfang 2025 im Themenfeld KI-Strategie. Ich beobachte aktuelle technologische Entwicklungen, bewerte deren Auswirkungen auf die Medienlandschaft und treffe daraus strategische Ableitungen für den WDR und die ARD. Dabei geht es mir einerseits darum, wie wir in einer zunehmend KI-geprägten Welt unseren Auftrag als öffentlich-rechtlicher Rundfunk weiterhin erfüllen können und andererseits darum, wie und wo wir künstliche Intelligenz im WDR und der ARD sinnvoll einsetzen können, immer verbunden mit dem Ziel, journalistische Qualität und Glaubwürdigkeit zu sichern.

Welche Erfahrungen oder Talente sollte man für den Job mitbringen?

Neugier und Interesse an technologischen Entwicklungen sind besonders wichtig. Die KI-Welt verändert sich täglich – man muss schon eine gewisse Freude daran haben, auf dem neuesten Stand zu bleiben und technisch komplexere Themen zu durchdringen. Aber auch ich bin nicht bei jeder Entwicklung tagesaktuell informiert; wichtiger ist es, den Überblick zu behalten und mit Spaß und Offenheit dranzubleiben.

Ebenso wichtig ist ein interdisziplinärer Blick: Ein grundlegendes Verständnis für Technologie, aber auch ein Gespür für Medien und gesellschaftliche Wirkung, um die verschiedensten Aspekte sinnvoll zu verbinden. Den „einen richtigen“ Studiengang gibt es dafür nicht, entscheidend sind Interesse, Offenheit und der Wunsch, aktiv mitzugestalten.

Eine der größten Herausforderungen ist die Balance zwischen Innovation und Verantwortung. Wir wollen natürlich Neues ausprobieren, aber müssen gleichzeitig auch immer prüfen: Ist das mit unserem Auftrag und unseren journalistischen Standards vereinbar?

- Luisa Voigt

Was reizt Dich an Deinem Beruf?

Das Spannende für mich ist, dass es kein Routinejob ist. Ich weiß oft nicht, welches neue KI-Tool, welches KI-Projekt oder welche Diskussion zu ethischen, gesellschaftlichen oder strategischen Fragestellungen in der nächsten Woche aufkommt. So bleibt die Arbeit spannend und herausfordernd. Außerdem reizt mich besonders, die Zukunft aktiv mitgestalten zu können. Wir stehen an einem Punkt, an dem KI die Medienwelt grundlegend verändert. Als öffentlich-rechtlicher Sender haben wir die Chance, diese Entwicklung verantwortungsvoll und transparent zu begleiten. Und auch ich kann mich hier aktiv einbringen.

Was sind die größten Herausforderungen in Deinem Job?

Eine der größten Herausforderungen ist die Balance zwischen Innovation und Verantwortung. Wir wollen natürlich Neues ausprobieren, aber müssen gleichzeitig auch immer prüfen: Ist das mit unserem Auftrag und unseren journalistischen Standards vereinbar? Wie gehen wir beispielsweise mit Datenschutz, Transparenz und ethischen Fragen um?

Hinzu kommt die enorme Dynamik der KI-Entwicklung. Technologien, die heute „state of the art“ sind, können in kürzester Zeit schon überholt sein. Das erfordert kontinuierliche Weiterbildung, Offenheit und starkes Eigeninteresse, nah an den Themen dran sein zu wollen.

Und schließlich: KI ist mittlerweile in so vielen Produkten enthalten, alle Unternehmensbereiche kommen damit irgendwie in Berührung und es betrifft jeden einzelnen. Die Vielfalt an Fragestellungen und Themen ist hoch. Und diese Vielfalt an Themen zu koordinieren und den Überblick zu behalten ist anspruchsvoll, aber auch sehr bereichernd.

Was war Dein bisher größter Flop im Job, und was hast Du daraus gelernt?

Das ist tatsächlich eine sehr schwierige Frage. Ich würde sagen, dass ich zu bestimmten Punkten in meinem Berufsleben dachte, ich müsste die eine Expertin für ein Thema sein und mehr Spezialwissen mitbringen als alle anderen, um in meinem Job gut zu sein. Das führte dazu, dass ich teilweise Stunden und Tage damit verbracht habe, mich in Themen einzuarbeiten, für die wir bereits hervorragende Expert:innen im Unternehmen haben. Ich hätte die Zeit weitaus sinnvoller nutzen können.

Heute weiß ich: Meine Stärke liegt in der Breite, nicht in der Tiefe. Ich erkenne Abhängigkeiten, bringe Themen in einen größeren Kontext und fungiere als Schnittstelle zwischen Redaktionen und Technik. Jetzt konzentriere ich mich auf das, was ich gut kann, und ziehe Expert:innen hinzu, wann immer ihre Expertise gefragt ist. So arbeitet jede:r in dem Bereich, in dem sie oder er am stärksten ist – und wir erzielen gemeinsam bessere Ergebnisse.

Tipps

Luisas Tipps für den Nachwuchs

Bleibt offen und neugierig. Beschäftigt euch früh mit KI, aber lasst euch nicht vom Hype blenden. Es geht nicht darum, jedes neue KI-Tool zu kennen, sondern die Mechanismen und Funktionsweisen, und damit auch die Grenzen von KI zu verstehen. Sucht euch Themenfelder, die euch wirklich interessieren und kombiniert eure Kompetenzen. Gerade die Schnittstelle zwischen Journalismus und Technik bzw. KI-Kompetenz wird immer wichtiger.

Und: Seid offen für neue berufliche Perspektiven. In so dynamischen Zeiten entstehen ständig spannende Jobs, die heute vielleicht noch niemand kommen sieht. Ich bin überzeugt: Für jede:n ist etwas Passendes dabei.

Luisa Voigt

… ist KI-Expertin bei der ARD und beim WDR.

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