05. Oktober 2026
Karriere

Lokal denken, digital arbeiten: Das Volontariat beim General-Anzeiger Bonn

Wie funktioniert moderner Lokaljournalismus im digitalen Zeitalter? Das Volontariat beim General-Anzeiger Bonn verbindet journalistisches Handwerk mit digitaler Nachrichtenproduktion und bietet Einblicke in verschiedene Ressorts. Dabei können die Volontär:innen früh eigene Themen und Interessen einbringen.

Der General-Anzeiger Bonn gehört zu den traditionsreichsten Medienhäusern der Region. Die Zeitung erscheint seit 1889 und berichtet über Bonn, den Rhein-Sieg-Kreis und das Ahrtal. Besonders während der Zeit Bonns als Bundeshauptstadt spielte auch die überregionale Berichterstattung eine wichtige Rolle, da viele politische Entscheidungen direkt vor Ort getroffen wurden.

Eine Zeitung mit Tradition und Blick in die Zukunft

Gleichzeitig hat sich der General-Anzeiger in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Schon früh setzte das Medienhaus auf digitale Angebote und entwickelte seine Online-Präsenz kontinuierlich weiter. Heute versteht sich der General-Anzeiger nicht mehr ausschließlich als Tageszeitung, sondern als Medienhaus. Zum Angebot gehören neben der gedruckten Zeitung die Nachrichtenplattform ga.de, Apps, Newsletter, Podcasts, Social-Media-Kanäle sowie weitere Magazine und Veranstaltungsformate. Mit seinen Print- und Digitalangeboten erreicht das Unternehmen täglich rund 300.000 Menschen in der Region.

Lokaljournalismus bedeutet Nähe zu den Menschen

Wer an Journalismus denkt, hat häufig große politische Debatten oder internationale Krisen vor Augen. Im Lokaljournalismus stehen dagegen oft die Themen im Mittelpunkt, die Menschen unmittelbar betreffen. Dazu gehören Entscheidungen im Stadtrat, Entwicklungen an Schulen, kulturelle Veranstaltungen, wirtschaftliche Veränderungen oder sportliche Ereignisse in der Region.

Genau diese Nähe macht das Volontariat beim General-Anzeiger besonders. Die Volontär:innen sprechen mit Bürger:innen, Vereinsvertreter:innen, Politiker:innen sowie Expert:innen und lernen dadurch die Region aus unterschiedlichen Perspektiven kennen. Die eigene Recherche führt sie häufig direkt zu den Menschen, über die sie berichten.

Bettina Köhl, stellvertretende Leiterin der Bonner Lokalredaktion und Ansprechpartnerin für die Volontärsausbildung, betont, das Lokaljournalismus weit mehr sei als die Berichterstattung über kommunale Politik. Die Themenvielfalt reiche von Kultur über Wirtschaft bis hin zu gesellschaftlichen Entwicklungen und biete dadurch die Möglichkeit, sich in viele unterschiedliche Bereiche einzuarbeiten. Gerade diese Vielfalt sei es, die den Lokaljournalismus auszeichne und den Arbeitsalltag abwechslungsreich mache.

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Ausbildung in verschiedenen Ressorts

Das Volontariat dauert insgesamt 24 Monate. Der Schwerpunkt liegt auf digitalem und lokalem Journalismus. Die Volontäri:nnen arbeiten am Digitaldesk und lernen dort die Grundlagen der digitalen Nachrichtenproduktion kennen. Anschließend folgen längere Stationen in der Bonner Lokalredaktion und in der Regionalredaktion.

Darüber hinaus durchlaufen sie weitere Bereiche der Redaktion, darunter die Wirtschaftsredaktion und den Printdesk. Zusätzlich gibt es eine Wahlstation im Feuilleton, Sportressort oder Wochenendjournal. Einsätze im News-Team ermöglichen es den angehenden Journalist:nnen außerdem, aktuelle Ereignisse unmittelbar journalistisch zu begleiten.

Die Ausbildung wird durch interne Workshops ergänzt. Dort lernen die Volontär:innen beispielsweise, wie Interviews geführt, Kommentare geschrieben oder Videos produziert werden. Auch Themen wie Redigieren oder der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Journalismus spielen eine Rolle. Hinzu kommt ein vierwöchiger Kurs an der Akademie für Publizistik in Hamburg, einer der renommiertesten Journalistenschulen Deutschlands.

Eigene Interessen sind ausdrücklich erwünscht

Bettina Köhl hebt insbesondere die Möglichkeit hevor, eigene Interessen und Erfahrungen in die Ausbildung einzubringen. Zwar werden journalistische Grundfertigkeiten vermittelt, so Köhl. gleichzeitig profitieren Redaktionen von den individuellen Perspektiven ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Wer sich beispielsweise für Sport, Kultur, Wissenschaft oder Wirtschaft interessiert, kann entsprechende Themenfelder vertiefen. Auch ehrenamtliches Engagement oder besondere Hobbys können hilfreich sein. Erfahrungen aus Vereinen, sozialen Projekten oder anderen gesellschaftlichen Bereichen eröffnen oft neue Zugänge zu Themen und Ansprechpartnern.

Dadurch entsteht eine Ausbildung, die zwar feste Stationen vorsieht, gleichzeitig aber Raum für persönliche Schwerpunkte lässt. Die Volontär:innen erhalten früh die Möglichkeit, eigene Themenvorschläge einzubringen und Geschichten zu verfolgen, die für sie und die Leserschaft interessant sind.

Bettina Köhler, stellvertretende Leiterin der Bonner Lokalredaktion des Bonner General-Anzeigers, bei der Informationsveranstaltung an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Digital First verändert den Redaktionsalltag

Der journalistische Alltag hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Während früher die gedruckte Zeitung das zentrale Produkt war, steht heute die digitale Berichterstattung im Mittelpunkt. Das Prinzip „Digital First“ bedeutet, dass Inhalte zunächst für die Online-Ausgabe erstellt und veröffentlicht werden. Erst anschließend werden sie für die Printausgabe aufbereitet.

Dieser Wandel wirkt sich auf die gesamte Arbeitsweise aus. Nachrichten müssen schneller veröffentlicht, Inhalte für verschiedene Plattformen angepasst und neue Formate entwickelt werden. Gleichzeitig eröffnen digitale Angebote zusätzliche Möglichkeiten, Geschichten zu erzählen etwa durch Videos, Podcasts, Bildergalerien oder Social-Media-Beiträge.

Bettina Köhl berichtet, dass Journalisten heute deutlich spezialisierter arbeiten als früher. Nicht mehr jeder Reporter oder jede Reporertin muss jederzeit auf Abruf zu aktuellen Einsätzen fahren. Stattdessen gibt es feste Zuständigkeiten und Teams, die bestimmte Aufgaben übernehmen. Die Digitalisierung hat damit nicht nur die Produkte verändert, sondern auch die Arbeitsabläufe innerhalb der Redaktion.

Voraussetzungen und Berufsperspektiven

Für das Volontariat wird ein abgeschlossenes Studium in der Regel vorausgesetzt. Das Studienfach spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Entscheidend sind vielmehr journalistische Vorerfahrungen, beispielsweise durch Praktika, freie Mitarbeit oder Tätigkeiten in Online-Redaktionen.

Darüber hinaus sollten Bewerber:innen neugierig sein, gerne mit Menschen sprechen und Interesse an gesellschaftlichen Themen mitbringen. Ein gutes Sprachgefühl, Eigeninitiative und die Bereitschaft, sich schnell in neue Sachverhalte einzuarbeiten, gehören ebenfalls zu den wichtigen Voraussetzungen.

Ob sich an das Volontariat eine feste Stelle in der Redaktion anschließt, hängt von der jeweiligen Personalsituation ab. Unabhängig davon vermittelt die Ausbildung vielfältige journalistische und digitale Kompetenzen, die sowohl in Redaktionen als auch in anderen Bereichen der Medienbranche gefragt sind.

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