Wie macht man auf Hunger aufmerksam? Humanitäre Krisen in die Öffentlichkeit bringen
Hunger und Armut gehören zu den drängendsten Herausforderungen – doch wie gelingt es, ihnen die nötige öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen? Als Head of Communications der Welthungerhilfe kennt Simone Pott die Herausforderungen der Kommunikation über humanitäre Krisen. Sie muss nicht nur komplexe Situationen in verschiedenen Weltregionen verständlich und wirkungsvoll vermitteln, sondern sich auch im deutschen und internationalen Medienmarkt auskennen. Dabei ist wichtig, auch unter Zeitdruck professionell und flexibel auf neue Situationen zu reagieren.
Werksgelände: Was macht man eigentlich als Head of Communications der Welthungerhilfe?
Simone Pott: Im Kern geht es darum, die Themen der Welthungerhilfe in die öffentliche Diskussion zu bringen, Aufmerksamkeit für Hunger und Armut zu schaffen und dafür zu sorgen, dass unsere Positionen gehört werden. Ich verantworte die externe Kommunikation mit Medien in Deutschland sowie die interne Kommunikation im Haus, was auch die 37 Länderbüros einschließt. Außerdem liegt in meinem Team die Betreuung des LinkedIn-Kanals der Welthungerhilfe. Hinzu kommt die internationale Kommunikation, zu der auch die thematische Planung der englischen Webseite gehört. Das bedeutet, dass alle Anfragen von Medien ob aus Deutschland oder international sowie alle Pressetermine von mir und meinem Team erledigt werden.
Welche Erfahrungen oder Talente sollte man für den Job mitbringen?
Man muss komplexe Sachverhalte schnell verstehen, auf den Punkt bringen und ein Gespür dafür haben, welche Geschichte für die Öffentlichkeit interessant ist. Das bedeutet Spaß am Formulieren, an Texten. Hinzu kommt Neugier und Begeisterung für politische Fragen und unterschiedliche Fachthemen. Man muss eher ein Allrounder sein als ein Spezialist. Außerdem ist eine gute Kenntnis des Medienmarktes eine wichtige Grundlage: Wissen, was Journalisten brauchen und was sie erwarten. Zugleich darf Zeitdruck keinen Stress auslösen, sondern den Adrenalinspiegel positiv heben, denn sehr oft müssen Texte schnell entstehen und in Krisensituationen werden Entscheidungen ebenfalls schnell erwartet. In meinem konkreten Fall gehören gute Englischkenntnisse zum Handwerk, denn die interne Kommunikation geschieht vor allem auf Englisch.
Was reizt Dich an Deinem Beruf?
Jeder Tag ist anders und meistens weiß ich morgens nicht, was so alles auf meinem Schreibtisch bzw. durch Telefonate bei mir landet. Enorme Flexibilität und eine große Prise Gelassenheit müssen Spaß bereiten. Und ich liebe den Umgang mit so vielen unterschiedlichen Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen. Und natürlich reizt mich, dass ich mit meiner Arbeit dazu beitragen kann, Themen sichtbar zu machen, die sonst vielleicht nicht genügend Aufmerksamkeit bekommen würden.
Was sind die größten Herausforderungen in Deinem Job?
Eine der größten Herausforderungen ist es, in einer immer schnelleren und überfüllten Medienwelt mit unseren Themen überhaupt noch durchzudringen. Dafür braucht man ein gutes Gespür für Nachrichten und mediale Trends, manchmal aber auch Mut zu ungewöhnlichen Ideen. Gleichzeitig muss ich als Führungskraft mein Team mitnehmen und die richtige Mischung zwischen Freiraum, Verantwortung und klaren Prioritäten finden.
Eine der größten Herausforderungen ist es, in einer immer schnelleren und überfüllten Medienwelt mit unseren Themen überhaupt noch durchzudringen.
- Simone Pott
Was war Dein bisher größter Flop im Job, und was hast Du daraus gelernt?
Salamitaktik in einer Krisenkommunikation. Ich habe mich gegen mein ausdrückliches Bauchgefühl an die Anweisung gehalten, Journalisten nur schrittweise über eine Krisenentwicklung zu informieren. Das war falsch und hat mich und auch die Organisation bei einzelnen Journalisten Reputation gekostet. Das Bauchgefühl ist ein wichtiger Seismograph.
Simones Tipps für den Nachwuchs
Fragt Euch immer genau, wer Eure Zielgruppe ist und was sie braucht. Vertraut auch Eurem Bauchgefühl und dem gesunden Menschenverstand. Spielt Vorschläge und Verfahrensweisen einmal bis zum Ende durch: wie genau soll das Interview laufen, wer beantwortet die Fragen auf der Pressekonferenz, wer hat nach einem Pressetermin Zeit für spätere Nachfragen? Eine gute Kommunikationsidee ist nur so gut wie ihre Umsetzung. Ich erlebe oft, dass Projekte theoretisch hervorragend geplant sind, aber niemand die ganz praktischen Fragen geklärt hat. Deshalb stelle ich gerne die einfache Frage: Wer nimmt am Ende eigentlich den Telefonhörer in die Hand?

Simone Pott
… arbeitet als Head of Communications bei der Welthungerhilfe.
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