Zwischen Lokaljournalismus und KI: Das Volontariat beim Kölner Stadt-Anzeiger
Geschichten rund um Köln recherchieren, aufbereiten und veröffentlichen: Im journalistischen Redaktionsvolontariat des Kölner Stadt-Anzeiger lernen Volontär:innen innerhalb von 24 Monaten die Arbeit in der laut eigener Aussage „Informationsquelle Nr. 1 in der Region“ kennen.
Der Kölner Stadt-Anzeiger (KStA) gehört zur Mediengruppe DuMont. Neben dem Verkauf der klassischen gedruckten Zeitung will die Tageszeitung ihren digitalen Auftritt vor allem in den sozialen Medien stärken. Momentan bietet der KStA seine Inhalte auch auf der Webseite sowie als E-Paper an und ist in sozialen Medien wie Instagram oder Facebook aktiv.
Man fokussiere sich aber weiterhin auch auf die gedruckte Zeitung, weil viele Leser:innen das Printprodukt nach wie vor besonders schätzen, so Christian Hümmeler, stellvertretender Chefredakteur des KStA, in einem Vortrag vor Studierenden der Studiengänge Technikjournalismus und Visuelle Technikkommunikation an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Gleichzeitig sei es für die Redaktion herausfordernd, jüngere Menschen mit ihren Inhalten zu erreichen. Nachwuchsjournalist:innen könnten besonders hier eigene Ideen, Verbesserungsvorschläge und Kenntnisse über digitale Inhalte einbringen.
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Individualität und Eigeninitiative stehen im Mittelpunkt
Jedes Jahr um den 1. September werden neue Volontär:innen eingestellt. Momentan absolvieren drei Personen das Volontariat. Es verbindet praktische Redaktionsarbeit mit externen Ausbildungsstationen. Neben Einsätzen in verschiedenen Ressorts besuchen die Teilnehmer:innen jeweils zwei Wochen im Jahr Kurse am Institut für publizistische Ausbildung (ifp) in München.
Welche Ressorts des KStA durchlaufen werden, hängt stark von eigenen Interessen ab. Nach einer umfangreichen Kennenlernphase in der Redaktion zu Beginn des Volontariats folgt die Planung. Hier werden die Stationen individuell abgestimmt, wobei Eigeninitiative ausdrücklich erwünscht ist. Die Ausbildung beginnt immer in der Lokalredaktion Köln, im Anschluss geht es durch die verschiedenen Ressorts wie Sport, Kultur, Wirtschaft und Politik. Auch in den Außenredaktionen des Kölner Stadt-Anzeiger wie beispielsweise der Lokalredaktion für den Rhein-Sieg-Kreis in Siegburg sind Einsätze möglichNach individueller Absprache können zudem externe Stationen wie beim WDR, Deutschlandfunk, bei RTL oder Correctiv in das Volontariat eingebaut werden.
KI gehört inzwischen zum Handwerkszeug
Künstliche Intelligenz hat auch auf den Lokaljournalismus massive Auswirkungen. KI-Tools unterstützen das Team des KStA bereits bei verschiedenen Arbeitsprozessen, von der Recherche bis zur Aufbereitung von Inhalten für unterschiedliche Kanäle. KI verändere die Art, Artikel zu verfassen, sagt Christian Hümmeler. Das fände vor allem bei Texten Anwendung, die thematisch nicht so stark in die Tiefe gehen und bei denen der Schreibstil weniger zu Geltung kommt, zum Beispiel bei kleineren Meldungen. Beim Boluevard-Titel EXPRESS werden KI-generierte Meldungen seit einigen Jahren bewusst mit dem Namen „Klara Indernach“ (für „KI“) gekennzeichnet. Doch auch bei diesen Meldungen wie bei allen Texten, bei denen KI in unterschiedlichen Formen genutzt wird, bleibt der Mensch die letzte Instanz.
Daher gewinnen Kompetenzen im Umgang mit KI auch für Bewerber:innen an Bedeutung. Dennoch bleibe die journalistische Verantwortung stets beim Menschen, betont Hümmeler. Neben dem Umgang mit KI-Tools seien journalistische Fähigkeiten wie Recherche, kritisches Denken und ein guter Umgang mit Sprache weiterhin unverzichtbar.

Christian Hümmeler, stellvertretender Chefredakteur beim Kölner Stadt-Anzeiger, stellt das Volontariat an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg vor.
Ein Beruf für Neugierige
Trotz oder gerade wegen der technischen Veränderungen sieht Christian Hümmeler Neugier und Offenheit für neue Themen als zentrale Anforderung an Journalist:innen. Er betont, wie wichtig es sei, als Redakteur:in einer lokalen Tageszeitung regionale Ereignisse, Stimmungen und Veränderungen mitzubekommen und journalistisch aufzugreifen. Um diese Fähigkeiten zu erlernen, braucht es Praxis.
Wer Journalist:in werden möchte, sollte daher nicht erst nach dem Studium Erfahrungen sammeln. Der stellvertretende Chefredakteur betont, wie wichtig praktische Erfahrung für den Einstieg in den Journalismus ist. Praktika, freie Mitarbeit oder Engagement in studentischen Medienprojekten in Form von Arbeitsproben seien oft entscheidende Pluspunkte in einer Bewerbung.
Einen weiteren Tipp für Bewerber:innen hatte Hümmeler noch: Bei der Adresse und im Anschreiben den Bindestrich im Namen „Kölner Stadt-Anzeiger“ nicht vergessen! Beim Entscheidungsprozess sei auch das ein Kriterium, weil es etwas über die Sorgfalt und Genauigkeit der Bewerber:innen aussage.
Wirtschaftlicher Druck und KI-Wandel führt zu Problemen
Die Studierenden wollten am Ende von Christian Hümmelers Vortrag noch wissen: Wie wahrscheinlich ist eine Festanstellung nach dem Volontariat? Hümmeler spricht von einigen Volontär:innen, die am Ende ihrer Ausbildung ein Übernahmeangebot erhalten würden. Gleichzeitig verschweigt er nicht die Herausforderungen der Branche. Der wirtschaftliche Druck und der KI-Wandel führten eher zum Abbau von Stellen, spricht er offen aus. Dennoch könne das Volontariat eine wichtige Grundlage für den Berufseinstieg schaffen, sei es beim Kölner Stadt-Anzeiger oder bei anderen Medienhäusern.

Christian Hümmeler stellt das Verbreitungsgebiet des Kölner Stadt-Anzeiger vor
„Der schönste Beruf der Welt“
Trotz der beschriebenen schwierigen Situation im Journalismus ist Hümmeler die Begeisterung für seinen Beruf anzumerken. Selbst journalistisch tätig zu werden gehört inzwischen seltener zu seinem Alltag, da Managementaufgaben den größten Teil seiner Arbeit ausmachen. Umso größer sei seine Freude gewesen, wenn er ab und zu immer noch eigene Artikel schreiben könne. Es sei immer noch „der schönste Beruf der Welt.“
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Simon Rodig
Simon Rodig, 2004 in Dormagen geboren und in Köln aufgewachsen, interessiert sich besonders für Naturwissenschaften und das große Ganze dahinter. Über das Erasmus+-Projekt „Let’s science our environment“ erweiterte er nicht nur sein Wissen, sondern auch seinen Horizont – durch den Austausch mit Jugendlichen aus Spanien, Portugal, England und Dänemark. Dabei entdeckte er auch seine Begeisterung fürs Reisen. Folgerichtig tourte er nach dem Abitur zwei Monate mit Freunden durch Europa. Auf diesen Reisen lernte er, die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten – eine Perspektive, die er heute in seine journalistische Arbeit einfließen lässt.